|
Tennis ist ein Spiel, bei dem man dauernd etwas falsch macht. Das jedenfalls, denken und fühlen die meisten Menschen, mit denen ich über diesen Sport rede. Bei der Vorhand war dies verkehrt, bei der Rückhand jenes; die Stellung zum Ball paßt heute gar nicht, ich ziehe nicht richtig durch und der Aufschlag, na der ist sowieso ziemlich schlecht. Der Ballwurf sage ich dir, der Ballwurf............. Woher kommt dieses dauernde, schlechte Gefühl? Gleich zu Beginn des Spielens wurden viele kleine Anweisungsmännchen in den Kopf gepflanzt. Du mußt das so machen, du sollst dich so hinstellen und nicht anders, du darfst auf keinen Fall dies tun, denn dann passiert das. Oh weh, was hast du denn da schon wieder vergessen, meldet sich das grüne Kritikmännchen nach jedem Schlag zu Wort. Das ist immer da und sagt selten etwas Nettes. Immer wieder fühlt man sich schuldig. - Ich denke so bei mir, daß das Tennisspiel auf diese Art und Weise ja wirklich richtig Spaß machen muß. Immer etwas falsch machen. War das das Ziel, als die Menschen mit dem Tennis begonnen haben? Was wäre, wenn das ganz anders ginge? Ich lasse mich einfach mal auf mein (Ball-)gefühl ein? Hui, der Schlag fühlte sich richtig gut an. Den merke ich mir, und den will ich doch gleich nochmal haben. Und was ist denn plötzlich mit meiner Rückhand los? Seitdem ich diese vielen Männchen aus meinem Kopf rausgeschmissen habe, habe ich plötzlich viel mehr Vertrauen zu mir. Na dann, da kann ich doch mal ganz mutig eine Netzattacke starten, und etwas tun, was ich noch nie getan habe. Heißa!, fühlt sich das gut an. Diese dumme Angst und Unsicherheit, die die ganze Zeit an meinem Nervenkostüm gezerrt haben; weg sind sie; spurlos verschwunden. Tja, und nachdem diese Mauer beseitigt ist, zeigt sich dahinter die wundervolle Schönheit der Freiheit, die lachende Freude der Unbeschwertheit, die bunte Palette meiner Möglichkeiten. Leicht, als wenn ich Flügel bekommen hätte, gelingen mir Dinge, die ich mir nie zugetraut hätte. Ich beginne mir selbst zu vertrauen. Manchmal denke ich sogar schon, daß ich doch ein recht guter Spieler bin, und die Worte "gut gemacht" kommen mir in den Sinn. Naja, und wenn doch mal was schiefgeht, dann schaue ich mich ganz liebevoll an und verzeihe mir. So locker, so leicht, mit lachenden, strahlenden Augen spiele ich jetzt dieses Spiel. Es fühlt sich richtig gut an. Davon will ich mehr haben. Manchmal versuchen die Anderen mir wieder die Männchen und diese Selbstzweifel einzureden. Mach das lieber so wie ich, oder wie kannst bloß so falsch handeln? Am besten ist der Satz vom "Das geht so nicht", wenn ich gerade vorher einen Supervolley gespielt habe. Dieses ganze "Geht nicht, darf nicht, klappt nicht....." dürfen die Anderen gern bei sich weitermachen. In mir gibt es immer öfter eine helle, klare Stimme meines Herzens. Sie lobt mich und ist freundlich zu mir, und ich ahne, daß ich die nächste Herausforderung auch meistern kann. Mein gutes Gefühl ist mein Geschenk an mich.
|